Investitionen in immaterielle Werte sind risikoreicher

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Die Industriegesellschaft verändert sich zu einer Dienstleistungs-, Hochtechnologie- und Wissensgesellschaft. Die Wertigkeiten in den Unternehmen verschieben sich zu den physisch nicht greifbaren, immateriellen Werten. Gerade aber Investitionen in immaterielle Werte (z.B. Produktinnovationen) haben ein wesentlich höheres Risiko als solche in materielle Werte (z.B. Kauf von Maschinen). So stellt sich die Frage, wie man mit diesem höheren Risiko umgehen kann und wie Methoden wie „Balanced Scorecard“, „Wissensbilanz“ oder „wissensorientierte Unternehmensführung“ u.a. dabei helfen…


Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Ressource „Wissen“. Es ist daher interessant und wichtig, etwas mehr über diese geheimnisvolle „Ressource“ zu erfahren: Wissen wird dynamisch generiert (durch Veränderung kognitiver Strukturen), ist immer an Personen gebunden und ermöglicht es diesen Personen, als Mitarbeiter in Unternehmen zweckbezogene und sinnvolle Handlungen durchzuführen. Mit der Globalisierung und dem internationalen Wettbewerb haben die meisten Unternehmen erkannt, dass sie nur durch die intensive Nutzung des Produktionsfaktors „Wissen“ nachhaltig wettbewerbsfähig bleiben können. Durch die Zunahme von „wissensintensiven“ Unternehmen sind auch die entsprechenden Managementinstrumente entstanden: Ziel von „Wissensmanagement“ ist die Bereitstellung von Wissen für die bestmögliche Unterstützung von Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen innerhalb von Unternehmen sowie die strukturierte Ablage der Arbeitsdokumente und die Aufbereitung der Erfahrungen in Unternehmensgedächtnissen. Die Wissensbilanz dient zur Messung des intellektuellen Vermögens in Organisationen durch Kennzahlen wie „Anzahl promovierte Mitarbeiter“, „Anzahl von Veröffentlichungen“ z.B. für Universitätsinstitute. Dabei handelt es sich um die Darstellung von Kennzahlen in der Zeitreihe und man vermisst als Rechnungswesenexperte zu Recht die Aktiv- und die Passivseite. Wissensbilanzen werden bereits seit Jahren von namhaften Unternehmen wie Seiberdorf oder Joanneum Research erstellt und veröffentlicht. Ein weiterer Managementansatz ist die sogenannte „Balanced Scorecard“, welche neben finanziellen werden vor allem die nichtfinanziellen Leistungsindikatoren (so genannte „Key Performance Indicators“) betrachtet. Das Konzept wurde 1992 vom Harvardprofessor Robert S. Kaplan und vom Management-Berater David P. Norton erstmals vorgestellt. Ziel ist die Umsetzung von Strategien durch die umfassende Kommunikation mit der gesamten Organisation durch geeignete Kennzahlen. David P. Norton betont in einem Interview aus dem Jahre 2001, dass in heutigen Unternehmen die Strategie auf „intangible assets“ (immaterielle Werte) aufgebaut ist. Diese immateriellen Werte aber lassen sich nicht mit den herkömmlichen Methoden monetär bewerten, weil man sie etwa nicht isoliert betrachten kann (sie sind nur im Zusammenspiel mit anderen immateriellen Werten wirksam) und weil das Besitzrecht nicht vorhanden ist wie bei materiellen Werten (ein Unternehmen kann das Wissen, welches in den Köpfen der Mitarbeiter gespeichert ist, nicht „besitzen“). Andere Ansätze kommen aus dem Norden Europas, wie etwa das Modell der unsichtbaren Bilanz von Karl E. Sveiby (Darstellung der immateriellen Vermögenswerte „unterhalb“ der Bilanz als „unsichtbare Vermögensgegenstände“ – diesmal mit Aktiv- und Passivseite) oder der „Skandia -Navigator“ (Leif Edvinsson) zur Steuerung des „intellektuellen Kapitals“. Investitionen in immaterielle Vermögensgegenstände sind etwa 3 Mal so risikoreich (gemessen durch die Kennzahl „earnings volatility“) wie die Investition in materielle Vermögensgegenstände, weiß der US-amerikanische Experte Prof. Baruch Lev aus empirischen Studien. Vor all diesen Fakten, Methoden und Ansätzen bleibt die Frage, wie man diese „intangible assets“ mit möglichst einfachen Hilfsmitteln „in den Griff bekommt“ und im Sinne des Risikomanagementprozesses diese auch steuern kann …